Hier werden mehrere interaktive Übungen vorgestellt, die im Rahmen der Weiterbildung ‚KI im Deutschunterricht für DaZ-Lernende‘ ausgewählt und bearbeitet werden können.
Übung 1: KI als Tutorin nutzen
Grundsatz: Ressourcenorientierung
Ausgangslage: Denke an die Primarschulklasse, die du zurzeit unterrichtest und suche dir zwei Kinder aus, die eine andere Erstsprache als Deutsch sprechen. Aus dem Lehrmittel SPRACHWELT 1 liegt dir eine illustrierte Kurzgeschichte vor, die du den Schüler·innen zuerst vorlesen willst, danach sollen sie die Geschichte selbst lesen, die Bilder in die richtige Reihenfolge bringen und dir die Geschichte auf Deutsch in eigenen Worten nacherzählen. Die zwei Kinder möchtest du besonders berücksichtigen. Du bist nicht sicher, wie sie mit dem Lesetext umgehen werden und welche Begriffe schwierig sein könnten für sie.
Material: In diesem Kasten findest du die Kurzgeschichte ‚Die Tube‘ als kopierbaren Text.
Die Tube
«Manuel! Ich habe ein seltsames Ding gefunden!», sagt Didi eines Tages zu seinem Freund. Er führt Manuel zu einer Mulde und zeigt hinunter. Das «Ding» ist eine Farbtube. Die beiden Mäuse betasten und beschnuppern die grosse Tube. «Fühlt sich weich an», sagt Manuel. Sie klettern auf die Tube und hopsen darauf herum. Das ist lustig! Die Farbtube verformt sich unter ihrem Gewicht. «Ich glaube, das Ding lässt sich öffnen, wenn man an dieser gelben Kappe dreht!», sagt Manuel. Er dreht den Schraubverschluss auf. Plötzlich schiesst mit rasender Geschwindigkeit eine rosarote Wurst hervor! «Hiiilfee!», schreien Manuel und Didi. «Eine Schlange! Hilfe!» Na, diese Schlange wird wohl kaum beissen!
Und hier die Seite aus dem Lehrmittel SPRACHWELT 1, Schulverlag Plus (2022).
Auftrag: Nutze ChatGPT oder DeepSeek oder Claude um anhand des Lesetextes zu eruieren, welche Wörter den beiden DaZ-Lernenden speziell verständlich machen solltest und wie. Du sprichst die Erstsprachen der Kinder nicht und weisst nicht, welche Ressourcen aus den Erstsprachen den beiden helfen könnte, den Wortschatz zu lernen. Wie musst du den Prompt gestalten, damit dir die KI hilfreiche Vorschläge macht, um die zwei Kinder im Textverständnis und im Ausbau ihres rezeptiven Wortschatzes zu unterstützen? Speichere deinen Chatverlauf mit der KI, um später daran weiterfeilen zu können.
Beispielprompt (erst hier klicken, nachdem du selbst ausprobiert hast)
Unten stehend präsentiere ich einen Lesetext für Primarschülerinnen in der Deutschschweiz. Die Lernenden sind 9 Jahre alt. Ich benötige folgende Informationen:
a) Welcher Wortschatz ist für Kind 1 (Erstsprache brasilianisches Portugiesisch) und Kind 2 (Erstsprache Arabisch) unbedingt vorzuentlasten? Begründe die Entscheidungen.
b) Welche kulturellen Gesichtspunkte und welche Parallelen zu den Erstsprachen der Kinder (Brückenwörter, Parallelwörter) aus der Herkunftskultur und Erstsprache der Kinder kann ich nutzen, um Kind 1 und Kind 2 den identifizierten Wortschatz zu vermitteln?
c) Generiere mir hilfreiche Interventionen unter Berücksichtigung aller oben genannter Punkte und des wortschatzdidaktischen Dreischritts nach Peter Kühn, um den Kindern den identifizierten Wortschatz zu vermitteln.
d) Reflektiere in deinen Antworten, wo du kulturelle Stereotypisierungen reproduziert hast und korrigiere diese.
Lesetetext: (hier einfügen)
Übung 2: Operatoren in Arbeitsaufträgen verstehen
Grundsatz: Teilhabe ermöglichen
Ausgangslage: Du erteilst deiner Klasse häufig schriftliche Arbeitsaufträge. Du hast festgestellt, dass viele DaZ-Lernende daran scheitern, diese Aufträge vollständig zu verstehen. Du möchtest ohne viel Zeitaufwand herausfinden, welche Operatoren (z. B. „vergleiche“, „diskutiere“, „argumentiere“), du häufig verwendest und wie du diese effizient im Verständnis der Lernenden verankern kannst.
Material: Arbeitsaufträge als Word oder pdf-Datei, die du deiner Klasse im Deutschunterricht in der letzten Zeit abgegeben hast.
Auftrag: Besuche die KI-Lösung Google NotebookLM. Hier kannst du bis zu 50 Dokumente hochladen und von der KI analysieren lassen. Lade z. B. zehn deiner Arbeitsaufträge hoch und generiere einen Prompt, der dazu führ, dass dir die KI genau auflistet, welche Operatoren du häufig verwendest. In einem nächsten Schritt kannst du versuchen, Ideen und Aktivitäten zu generieren, die Lernenden helfen, diese Operatoren stabil in ihrem Langzeitgedächtnis zu verankern und dabei auch zu verstehen, welche Arbeitsschritte nötig sind.
Beispielprompt (erst hier klicken, nachdem du selbst ausprobiert hast)
Ich liefere dir mehrere Dokumente, bei denen es sich allesamt um Arbeitsaufträge handelt, die in meiner Primarschulklasse (Stufe 4. Klasse, Deutschschweiz) zum Einsatz kommen. In der Klasse befinden sich 7 Lernende, die nicht Deutsch als Erstsprache sprechen und Mühe haben, die Aufträge zu verstehen. Analysiere die in den Aufträgen enthaltenen Operatoren (z. B. „argumentiere“, „beschreibe“, usw.) und liefere mir folgende Informationen:
a) Welche Operatoren verwende ich in den Arbeitsaufträgen besonders häufig?
b) Welche dieser Operatoren sind für DaZ-Lernende schwer verständlich?
c) Gibt es Funktionswörter und Inhaltswörter in meinen Arbeitsaufträgen, die im Wortschatz der DaZ-Lernenden noch nicht stabil verankert sein könnten?
d) Welche weiteren Verständnishürden kannst du aus meinen Arbeitsaufträgen identifizieren?
e) Schlage mögliche Interventionen vor, die unter Berücksichtigung des wortschatzdidaktischen Dreischritts nach Peter Kühn zum Einsatz kommen können, um den DaZ-Lernenden den Zugang zu diesen Arbeitsaufträgen zu ermöglichen?
Übung 3: Sprechzeit für Lernende erhöhen
Grundsatz: Selbstwirksamkeit ermöglichen
Ausgangslage: Du unterrichtest in einer Klasse mit 24 Schüler·innen. Im Deutschunterricht nimmt die Arbeit an monologischen Sprechkompetenzen ohnehin schon einen kleinen Teil des Unterrichts ein und wenn du dann noch versuchst, in einer Lektion die Lernenden zum Sprechen zu bringen, dann fallen nur wenige Minuten Sprechzeit auf jede·n Schüler·in. Wenn du versuchst, die Kinder dialogisch zum Sprechen zu bringen, stellst du fest, dass in den zusammengesetzten Gruppen die DaZ-Lernenden weniger sprechen und gerade sie möchtest du fördern. Nun sollen die Kinder üben, am Ende einer Stunde in jedem Fach kurz mündlich berichten zu können, woran sie gearbeitet haben, was dabei schwierig war und woran sie in der nächsten Lektion weiterarbeiten möchten.
Material: Hier findest du einen kurzen Lesetext, den die Kinder in der Arbeit mit der KI am Anfang ablesen können, damit die KI mit ihnen den Sprechanlass übt.
„Ich will üben, am Ende einer Schulstunde auf Deutsch sagen zu können, woran ich gearbeitet habe, wie mir die Arbeit gelungen ist und woran ich in der nächsten Stunde weiterarbeiten möchte. Hilf mir dabei. Stelle mir Fragen und korrigiere mich, wenn ich Fehler mache. Bringe mir gute Formulierungen bei, die ich dann wiederholen und üben muss.“
Auftrag: Besuche den GPT Daffy, einen speziellen Chatbot, der auf der KI Chat-GPT basiert. Daffy ermöglicht es Lernenden auf A1-Niveau angstfrei und ohne Hemmungen einfache Dialoge zu trainieren. Sprich den obenstehenden Propmt ein und versetze dich in die Lage eines Kindes, das Deutsch als Zweitsprache lernt und viele Fehler macht. Benutze unbedingt die Sprachfunktion (Mikrofon).
Übung 4: Wortschatz spielerisch lernen
Grundsatz: Durchgängige Sprachbildung und Sprachförderung sicherstellen
Ausgangslage: Denke an eine Lehr- und Lernsequenz aus dem Deutschunterricht der vergangenen Wochen. Welchen spezifischen Wortschatz mussten deine Lernenden aufbauen, um den Auftrag erfüllen zu können? Bsp.: Deine SuS mussten lernen, die Textsorte ‚Anleitung‘ zu schreiben. Du wolltest das am Beispiel einer Schatzsuche üben. Wichtig waren Lokaladverbien, Lokalpräpositionen, Präpositionaladverbien und Präpositionalphrasen wie „hinter“, „vor“, „neben“, „unter“, „du suchst / du gehst“ usw. Du stellst fest, dass die Zeit im Deutschunterricht kaum ausreicht, um diesen Wortschatz bei allen Lernenden in das produktive Sprachrepertoire zu verankern und möchtest eine spielerische Aktivität kreieren, die du zum Tagesanfang jeweils wiederholen kannst, um diese Wörter zu trainieren.
Material: Ein Arbeitsblatt aus deinem Deutschunterricht, idealerweise mit einer Wortschatz-Checkliste (Redemittel, Chunks, Wörterliste), die den Kindern zur Verfügung stand.
Auftrag: Besuche die Plattform der KI Suno, die es dir erlaubt, ein Kinderlied zu komponieren, das den Wortschatz mit viel Wiederholung aufbaut. Generiere den Prompt, indem du der KI sagst, in welchem Musikstil (Bsp. Kinderlied, Pop-Song, Country-Song usw.) sie das Lied generieren soll. Liefere im Prompt auch den zu verwendenden Wortschatz oder schreibe selber einen Songtext, der von der KI vertont werden soll.
Beispielprompt (erst hier klicken, nachdem du selbst ausprobiert hast)
Generiere ein fröhliches Kinderlied für 9-jährige Kinder, das unten stehenden Wortschatz beinhaltet und ihn häufig wiederholt. Inhaltlich soll es im Lied um eine Schatzsuche gehen.
Wortschatz: links, rechts, du gehst, über, neben, hinter, vor, unter, du suchst.
Übung 5: Ein Interview mit meinem Lieblings-Promi führen
Grundsatz: Bedeutsame und relevante Kommunikationssituationen ermöglichen
Ausgangslage: In deiner Klasse unterrichtest du Kinder, die alle ganz unterschiedliche Interessen haben. Auch die DaZ-Lernenden sind nicht alle gleich, unter sich sind sie noch einmal eine äusserst heterogene Untergruppe deiner Gesamtklasse. Was Kindern aber gemeinsam ist, ist dass sie häufig für ein Themengebiet begeistert sind. Du selbst bist als Lehrperson aber nicht in all diesen Themenfeldern zu Hause. Du willst Kindern ermöglichen, schriftlich auf dem Niveau A1 Interviewfragen zu üben. Dazu willst du die individuellen Interessen der Kinder nutzen. Ein Schüler ist grosser Fan von Cristiano Ronaldo und sehr motiviert, wenn es um diesen Promi geht. Das Themenfeld Fussball ist für diesen Schüler hochgradig relevant.
Material: Die Karteikarte ‚Ein Interview vorbereiten‘ (Sprachstarken 4–6, Online-Material zu Sprachstarken 4).
Folgenden Prompt, zum Initiieren des Chats mit ChatGPT:
„Du schlüpfst in die Rolle von [hier deinen Promi-Namen eingeben] und ich mache ein schriftliches Interview mit dir. Ich stelle dir Fragen und du beantwortest sie. Und du korrigierst alle meine Deutschfehler. Sprachniveau: A1. OK?“
Auftrag: Besuche den ChatGPT. Tippe den oben stehenden Propmt ein (copy-paste) oder generiere einen eigenen. Versetze dich in die Lage eines Kindes, das Deutsch als Zweitsprache lernt und viele Fehler macht. Das Kind kann anhand der Karteikarte mit der KI Daffy ein Interview führen und wird dabei korrigiert. Die KI kann spezifische Fragen zur Karriere des Promis beantworten.
Weitere Prompt-Ideen (erst hier klicken, nachdem du selbst ausprobiert hast)
Ich lerne Deutsch und will mit dir ein schriftliches Interview führen. Du schlüpfst dabei in die Rolle von (Promi-Name, z. B. Ariana Grande, Taylor Swift, Astrid Lindgren, Walter Moers, Roger Federer, usw.). Ich interviewe dich. Du korrigierst meine Fehler und erklärst mir, was ich warum anders formulieren müsste. Sprachniveau: A1.
Übung 6: Geschichten mit spezifischem Wortschatz generieren
Grundsatz: Kontinuierliche Wortschatzarbeit
Ausgangslage: Denke an deinen aktuellen NMG-Unterricht (Zyklus 2) (z. B. Thema ‚Beschaffenheit und Gefahren von Stoffen kennen und beschreiben‘) oder an ein Themenfeld, dass du im Kindergarten mit den Kindern gerade erarbeitest (z. B. Thema ‚Farben‘). Du möchtest über die Fächergrenzen des NMG-Unterrichts hinaus an den Begriffen arbeiten, damit die Kinder diese von Lektion zu Lektion immer stabiler in ihren aktiven Wortschatz übernehmen.
Material: Lehrplan 21: Beliebige Kompetenzstufe aus dem NMG-Unterricht. Z. B. NMG 3.3.1b: „Die Schülerinnen und Schüler können Beschaffenheit von Stoffen und Objekten erforschen und beschreiben (z.B. Holz, Steine, Kunststoffe) sowie Gefahren hinsichtlich möglicher Verletzungen oder Sachbeschädigungen erkennen (z.B. Reinigungsmittel, spitziges Werkzeug).“
Auftrag: Besuche die KI-Plattform Chat-GPT und fordere die KI auf, anhand der Kompetenzstufe aus dem Lehrplan21 und den darin enthaltenen Operatoren (im oben stehenden Beispiel sind dies [Stoffe und Objekte] ‚erforschen‘, ‚[Stoffe und Objekte] beschreiben‘ und [Gefahren]‚erkennen‘) eine Geschichte zu erfinden, die für die Altersstufe deiner Klasse geeignet ist. Der relevante Wortschatz soll dabei oft wiederholt und in unterschiedlichen Kollokationen auftauchen.
Spiele mit den Temperatureinstellungen der KI, um kreativere Resultate zu erhalten. (Die ‚Temperatur‘ ist ein Parameter, der kontrolliert wie kreativ oder fokussiert die generierten Texte sind. Sie beeinflusst welcher Textbaustein als nächstes gewählt wird, denn sie verändert der Verteilung der Wahrscheinlichkeiten einzelner Tokens. Du kannst im Prompt angeben, welche Temperatur ChatGPT wählen soll. Werte von 0 bis 2 sind möglich, wobei höhere Werte für ausgefallenere, zufälligere und kreativere Resultate sorgen und tiefe Werte für genauere, verlässlichere und logischere Ergebnisse. Du kannst also z. B. schreiben: „Antworte mit einer Temperatur von 1.2“).
Das Resultat kann mit Folgeprompts angepasst werden. Ideen: Denke an zwei DaZ-Lernende aus deiner Klasse. Lasse die KI die Geschichte so umschreiben, dass sich diese Kinder kulturell und mit sprachlichen Brücken in der Erzählung wiederfinden. Der relevante Wortschatz soll mit Verbindungen zur Erstsprache der beiden Kindern vertieft werden und metasprachliche Vergleiche zwischen Erstsprachen und der Zielsprache Deutsch erlauben. Die KI soll auch Merkhilfen einbauen. Falls noch Zeit bleibt: Generiere mit der KI Vorschläge, wie die Kinder mit dem Text umgehen könnten, um den Wortschatz nicht nur rezeptiv, sondern auch produktiv anzuwenden.
Beispielprompt für TTG-Wortschatz (erst hier klicken, nachdem du selbst ausprobiert hast)
Die Primarschüler·innen meiner 5. Klasse arbeiten zurzeit im Fach ‚Textiles und Technisches Gestalten‘ an einem Dufthaus aus Ton. Sie kennen oft während des Arbeitens die benötigten Materialien und Werkzeuge nicht und verwenden keinen präzisen Wortschatz. Erfinde eine spannende, altersgerechte Geschichte, die folgenden Wortschatz erklärend, illustrierend und wiederholend beinhaltet, so dass auch DaZ-Lernende mit Erstsprachen Italienisch, Mazedonisch, Kurdisch und Tamil sich in der Geschichte wiederfinden und Hilfen bekommen, sich den Wortschatz einzuprägen. Berücksichtige die Erstsprachen Italienisch, Mazedonisch, Kurdisch und Tamil NUR dort in der Geschichte, wo es echte Parallelwörter oder Merkhilfen aus den Erstsprachen zu den deutschen Begriffen gibt. Achte darauf, dass du keinen deutschen Wortschatz in die Geschichte einbaust, der für die DaZ-Lernenden zusätzliche Hürden aufbaut.Beachte, dass die Geschichte einen deutlichen Spannungsbogen hat und nicht banal wirkt.
Du hast eine Temperatur von 1.5 für die Generierung des Erzählplots.
Die sprachlichen Bezüge (zwischen Erstsprachen und Deutsch) generierst du mit einer Temperatur von 0.2.
Wortschatz: schamottierter H-Ton, Schlinge, Schlicker, Spachtel, Messer, Zeitungspapier, Sparschäler, Pinsel, Wallholz, Zahnstocher.
Übung 7: Grammatische Phänomene in verschiedenen Sprachen vergleichen
Grundsatz: Systematische Einsicht in den BAu der Deutschen Sprache ermöglichen
Ausgangslage: Die Mehrsprachigkeitsdidaktik lehrt schon lange, dass Kinder über den Vergleich verschiedener Sprachen (oder Sprachvarietäten) viel metasprachliches Wissen (Wissen über Sprache) aufbauen können. In den Lehrmitteln wird dieser Sprachen- und Varietätenvergleich aufgegriffen, aber oft nur mit wenigen europäischen Sprachen. So müssen Kinder etwa die Wortstellung des Verbes oder die Negation in Sätzen auf Deutsch, Englisch, Französisch und Spanisch vergleichen. Du hast aber in deiner Klasse Kinder, die andere Erstsprachen sprechen und möchtest sie Vergleiche mit ihrer Erstsprache anstellen lassen, zumal du weisst, dass die Kinder auch den HSK-Unterricht besuchen und dort auch systematisch in ihrer Erstsprache gefördert und unterrichtet werden. Dein Problem ist, dass du kein Albanisch, Mazedonisch, Türkisch, Portugiesisch oder Arabisch (u. a. m.) sprichst und in den Lehrmitteln tauchen diese Sprachen nicht auf.
Material: kein zusätzliches Material benötigt.
Auftrag: Fordere die KI deiner Wahl dazu auf, zehn Fragen zu generieren, anhand derer zwei DaZ-Lernende deiner Klasse das System der Pluralbildung im Deutschen mit demjenigen ihrer Erstsprache (Bsp. Arabisch und brasilianisches Portugiesisch) vergleichen können. Die KI soll dabei auch gleich die korrekten Antworten zu den Erstsprachen der Kinder liefern und dir als Lehrperson zeigen, was sich anhand dieser Fragen und anhand dieser Vergleiche zur Pluralbildung des Deutschen lernen lässt. Wenn dir noch Zeit bleibt, versuche die KI dazu zu nutzen, dir einige Übungsaufgaben zu generieren, die für die beiden Kinder – entsprechend ihrer Erstsprache – einen besonders lernförderlichen Zugang zur Pluralbildung im Deutschen ermöglichen sollen.
Weitere Prompt-Ideen (erst hier klicken, nachdem du selbst ausprobiert hast)
Generiere zehn Fragen, anhand derer zwei DaZ-Lernende meiner Klasse (12 Jahre alt) die Pluralbildung im Deutschen mit der Pluralbildung in ihren Erstsprachen (Arabisch und brasilianisches Portugiesisch) vergleichen können. Liefere in einem separaten Abschnitt auch die Antworten auf die zehn Fragen und erkläre die beobachteten Ähnlichkeiten und Unterschiede altersgerecht.
Das Ziel muss sein, dass die Lernenden einen Einblick in die deutsche Pluralbildung erhalten und dabei Kontraste und/oder Parallelen zu ihren Erstsprachen erkennen und metasprachliches Wissen aufbauen.
Übung 8: Videos transkribieren
Grundsatz: Passung (z. B. von Hilfestellungen)
Ausgangslage: Du möchtest mit deiner Klasse einen altersgerechten Sachfilm (Kurzclip unter 10min) anschauen. Sei es, um eine Hörverständnisübung in Deutsch zu machen oder um ein Sachthema (z. B. im NMG-Unterricht) einzuführen. DaZ-Lernende scheitern an diesen Aufgaben nicht zwingend, weil es ihnen an Hörkompetenzen fehlt, sondern weil sie oft nicht über den zentralen Wortschatz verfügen, der für das Textverständnis entscheidend ist. Du möchtest in solchen Videos den Wortschatz bestimmen, der für die unterschiedlichen DaZ-Lernenden deiner Klasse für eine Vorentlastung in Frage kommt.
Material: Youtube-Video, das du deiner Klasse in den letzten Wochen oder Monaten gezeigt hast. Falls du ein Beispiel benötigst, nimm dieses hier: (Sendung: Die Maus) ‚Was macht ein Artenschutzhund?‘
Auftrag: Besuche das Youtube-Video deiner Wahl (oder oben verlinktes Beispiel) und klicke unter dem Video im grauen Kasten auf ‚mehr‘. Wähle dann ‚Transkript anzeigen‘. Kopiere den transkribierten Text (ohne Zeitstempel) und benutze die KI-Plattform deiner Wahl, um daraus den vorzuentlastenden Wortschatz für deine DaZ-Lernenden zu identifizieren. Es geht darum, dass die Kinder alle das Video gut verstehen können und nicht wegen Wortschatzproblemen beim Zuhören aufgeben. Erwähne im Prompt, wie alt die DaZ-Lernenden sind, was ihre Erstsprachen sind und versuche von der KI auch in Erfahrung zu bringen, welche Verständnishilfen du anbieten könntest. Du kannst die KI auch gleich auffordern, die chronologische Wortschatzliste zu generieren, die du dann für diese DaZ-Lernenden auf einem einfachen Begleitblatt zum Film abgeben kannst. Mit dem Transkript des Videos kannst du mit den DaZ-Lernenden nach dem Anschauen des Films weiterarbeiten. Idealerweise konfrontierst du DaZ-Lernenden zuerst mit dem Wortschatz und lässt sie dann das Video mehrmals anschauen (einmal nur Video, einmal mit der Wörterliste, das dritte Mal mit reflexiven Fragen, die Inhalt und Wortschatz mit Scaffolds abfragen).
Weitere Prompt-Ideen (erst hier klicken, nachdem du selbst ausprobiert hast)
Analysiere das Transkript, das ich dir mit diesem Prompt im Anhang hochgeladen habe. Es handelt sich um das Transkript eines youtube-Videos zum Thema ‚Artenschutzhunde‘. Die Schüler·innen einer 5. Primarschulklasse der Deutschschweiz sollen sich das Video anschauen und Fragen dazu beantworten. In der Lerngruppe befinden sich mehrere Kinder, die nicht Deutsch als Erstsprache sprechen. Die Vertretenen Erstsprachen sind: Ukrainisch, Albanisch, Französisch und Griechisch.
Identifiziere im Videotranskript alle Funktions- und Inhaltswörter, die es den DaZ-Lernenden schwer machen, das Video zu verstehen.
Erstelle mir in einem zweiten Schritt den Text für ein Begleitblatt, das ich den DaZ-Lernenden abgeben kann, das den Wortschatz enthält und alterstufengerecht erklärt, ohne in den Erklärungen neue Hürden einzubauen. Mach Vorschläge, welche Visualisierungshilfen ich auf dem Blatt verwenden kann. Wo Bezüge zu den Erstsprachen sinvoll sind, baue sie ein.
Erstelle mir danach ein Arbeitsblatt zum Video, das relevante, klassenstufengerechte Fragen zum Inhalt und zum Wortschatz beinhaltet.
Generiere auch eine Lösungsversion zum Arbeitsblatt zur Selbstkontrolle durch die Schülerinnen und Schüler.
Übung 9: Textfeedback im Schreibprozess
Grundsatz: Zeit geben und Zeit nehmen
Ausgangslage: Denke an die letzte Schreibaktivität, die du im Deutschunterricht mit den Lernenden durchgeführt hast (Texte schaffen, Schreibwerkstatt, Schreibprojekt). Du willst Kinder in einer länger dauernden Sequenz viel formative Rückmeldungen geben, aber es fehlt an Zeit, jede Textproduktion in jeder Phase ihrer Entstehung umfangreich zu prüfen. Du entscheidest dich, Kinder ihre ersten Entwürfe des Textes mittels KI überprüfen zu lassen. Dabei geht es zunächst vor allem um eine inhaltliche Analyse (noch keine sprachformale). Die KI soll den Lernenden rückmelden, ob sie sich an die Textsortenmuster- und -merkmale gehalten haben (z. B. Gruselgeschichte: Figurenexposition, Spannungsbogen, sprachliche Mittel zur Erzeugung von Ekel, Schauer oder Furcht verwendet, u. a. m.). Die KI soll Schreiber·innen zum Nachdenken über Verbesserungsmöglichkeiten anregen, bevor du als Lehrperson dann in einem nächsten Schritt zur persönlichen Beratung zur Verfügung stehst.
Material: Eine Checkliste, die du den Schüler·innen für das Verfassen des Textes der entsprechenden Textgattung zur Verfügung gestellt hast (Bsp. Checkliste Brief, Checkliste Abenteuergeschichte, Checkliste Spielanleitung).
Als Beispiel: Checkliste einer Gruselgeschichte.
Beispieltext einer Schülerin einer 7H mit Erstsprache Türkisch:
Der Mord im Estrich
Es war Mitternacht und Kemal musste im Estrich etwas hohlen. Er hörte ein Knisper, und dachte das es nur ein Traum war. Aber es war kein Traum. Kemal fieng an zu zittern, und ihm floss ein Schweistropfen. Er schaute sich umm. Er sagte: Ein Gespenst. Kemal wusste nicht was er machen soll. Unten in seinem zimmer war Jemand und Kemal hatte angst rein zu schaue. Aber er macht es. Wer war es? … Wenn du erfahren wilst wer es ist dann lies die Geschichte bis zum Ende. Kemal sucht seinen Zimmer ab. Er hat eine Pupe und ein Messer gefunden. Der Messer ist sauber aber die Puppe… Irgenwer hat Kemal angesprochen. Er hat einen schrech bekommen. Dieser Irgendwer sagte: „Hallo, Kemal. Wie geht es dir? Kemal hat nichts gesagt. Dieser Irgendwer sagte das er ein Kiler sei und sein Messer vergessen hat. Aber die Puppe… sagt er. Diese Stimmer war ser tif, als würde man einen Stimmenverzerer tragen. Aber die Stimme war auch unheimlich. Am nächsten Tag rufte Kemal die Polizei. Die Polizei war bei Kemal zuhause. Kemal sagte: Es gibt Kiler und Geschpenster im Estrich!!! Die Polizei ging mit Kemal in den Estrich. Aber niemand war da. Der Polizist fragte ob es im gut geht. Kemal antwortet Ja!!! Die Polizistin brachte Kemal zu kranken Haus. War das alles ein Traum oder realität?
Auftrag: Besuche die KI-Plattform FelloFish und melde dich an. Erstelle eine neue Aufgabe mit dem Titel Gruselgeschichte und gib folgende Kriterien ein: Figurenexposition, Dialoggestaltung, Anfang-Mittelteil-Schluss, Textkohärenz, Spannungsbogen und sprachliche Mittel zur Erregung von Gruseln. Wähle die Klassenstufe 5–6 und kopiere die Kriterienliste in das Feld „Material“ ein. Teste die Aufgabe, indem du den Schülerinnentext (grauer Kasten oben) in das Eingabefeld kopierst. Generiere das Feedback.
Falls noch Zeit bleibt: Experimentiere mit den Vorlagen in der Feedback-App für andere Textsorten.
Übung 10: Bildbeschreibung mit sofortigem visuellem Feedback
Grundsatz: Durchgängige Sprachbildung und -förderung
Ausgangslage: Mittels KI ist es heute möglich aus Texten Bilder zu erzeugen. Diese Technologie lässt sich nutzen, um DaZ-Lernenden ein sofortiges Feedback zur Qualität ihrer Vertextungskompetenzen auf Deutsch zu geben. Die Lernenden sollen bereits existierendes, einfaches Bild (z. B. ein See mit einer Siedlung am Ufer oder ein Schulzimmer) beschreiben und das Bild von der KI generieren lassen. Der Sofortvergleich von Bildvorlage und neu generiertem Bild spiegelt die Qualität der Beschreibung wieder und führt zu fortlaufenden Iterationen im Prozess der Bildbeschreibung, bis Vorlage und erzeugtes Bild nahezu identisch sind.
Material: Suche ein einfaches Bild im Internet, das sich als Vorlage eignet. Nutze die Bildgenerierungsfunktion einer KI, die du im Unterricht nutzen darfst (z. B. Microsoft Copilot oder Fobizz-KI).
Auftrag: Versuche selbst mit der KI eine Bildbeschreibung zu generieren, die zur Erzeugung des Vorlagebildes führt. Achte darauf, wie präzise zu werden musst und welchen Wortschatz du dazu benötigst (Farbwörter, Richtungswörter, generell: Inhalts- und Funktionswörter).
Versuche einen Arbeitsauftrag für deine DaZ-Lernenden zu schreiben, der zu einer lernförderlichen Aufgabe führt, um Wortschatz auf Deutsch zu mobilisieren und auf dem hier vorgestellten Beispiel beruht.
Achte darauf, welche Form des visuellen Feedbacks dir die KI durch das generierte Bild liefert: Die Lernenden erhalten sofort eine Rückmeldung über die Qualität ihrer Beschreibung, ohne dazu auch nur eine Zeile Text lesen zu müssen.