Deutschdidaktik Primarstufe

Vertiefung zur Weiterbildung ‚Vielseitig differenzieren im Deutschunterricht mit UDL‘

Hier finden sich KI-basierte Lösungen, um zu ausgewählten Prinzipien des UDL-Konzeptes an eigenen Unterrichtsdifferenzierungen weiterzuarbeiten. Basis dieser Vertiefung ist die Weiterbildung ‚Vielseitig differenzieren im Deutschunterricht mit UDL‘.

Grudsätzlich kann KI auf allen Ebenen des UDL-Rahmenwerkes zur Konsultation für diversifizierte und vielfältige Zugänge, Aktivitäten und Ergebnissicherungen hinzugezogen werden. Teilweise existieren aber auch spezifische KI-Lösungen, die sich für einzelne UDL-Prinzipien besonders eignen.

Die Ziffern in den Titeln beziehen sich auf exemplarisch ausgewählte, einzelne Prinzipien (Checkpoints) des UDL-Rahmenwerks aus allen drei Domänen (WARUM, WAS, WIE?). Die Nummerierung der Checkpoints ist nicht chronologisch im UDL-Rahmenwerk. Vielmehr sind es sich ergänzende Differenzierungs- und Unterstützungsbereiche, die alle auf den drei hierarchischen Ebenen ‚Zugang‘, ‚Unterstützung‘ und ‚exekutive Funktionen‘ angesiedelt sind.

Checkpoint 7.2: Lebensweltbezug optimieren

Ausgangslage: Du findest deinen Lerninhalt immer noch zu abstrakt und vermutest darin eine Hürde für gewisse Lernende. Du möchtest mehrere Beispiele entwickeln, die illustrieren, warum diese Lerninhalte für das wirkliche Leben relevant sind und so wo sie sich wie auswirken. UDL legt nahe, dass die Klärung des Warum die Beteiligung der SuS am Lernprozess erhöht, weil sie Zugang den zum Lerngegenstand und die Motivation erhöht.

Link: https://app.magicschool.ai/tools/teacher/real-world-connections

Probiere es aus!
Registriere dich bei Magic School und öffne den Agenten für Real Life Connections (link oben). Wähle die Schulstufe und gib den Lerninhalt ein (z. B. „Die Kinder sollen die Wortarten bestimmen lernen mit der Wörtersuchmaschine (Flussdiagramm).“
Die KI liefert dir drei Beispiele, in welchen lebensweltlichen Kontexten dies Kompetenzen, die mittels des Lerngegenstandes aufgebaut werden sollen, relevant sind. Du kannst die KI auffordern, dir zu zeigen, wie du kleine Unterrichtsinterventionen vorbereiten kannst, um diese Lebensweltbezüge sichtbar und erlebbar werden zu lassen. Die KI antwortet bisweilen in Englisch, du kannst unter jeder Chatnachricht auf das Sprachensymbol klicken und den Chat auf Deutsch übersetzen.

Alternative: Nutze MS-Copilot und prompte die KI entsprechend, um dir analog weiterzuhelfen: Lerngegenstand erwähnen, Klassenstufe erwähnen, um drei Beispiele für maximalen Lebensweltbezug bitten. Folgefragevorschläge der KI wählen und weiterprompten.


Checkpoint 7.3: Spielfreude stärken

Ausgangslage: Deine 6H-Klasse soll die Textsorte ‚Sage‘ erkunden. Mit Sprachstarken 4 erarbeiten sie gewisse Textsortenmerkmale und lernen moderne Sagen kennen. Du willst den Zugang zu einer Schreibaufgabe, in der die Lernenden eigene seltsame Kurzgeschichten schreiben, diversifizieren und gamifizieren. Das Ganze soll spielerisch werden, Aufstiegslevel beinhalten und die Lernenden sollen Punkte sammeln und Gadgets gewinnen können, die sie dann in die Schreibaufgabe integrieren sollen.

Link: https://lumo.proton.me/guest

Probier es aus!
Lumo ist eine Schweizer KI, die du ohne Registrierung nutzen kannst. Sie speichert keine Daten und ist Ende-zu-Ende-verschlüsselt. Alle Interaktionen mit Lumo werden nach dem Chat gelöscht.

Schildere Lumo dein Anliegen, z. B. mit folgendem simplen Prompt:
„Meine 4. Primarschulklasse (Schweiz) soll lernen, Sagen zu schreiben. Liefere mir nach dem UDL-Checkpoint 7.3 (Spielfreude stärken) drei Ideen für einen variantenreichen Zugang zur Schreibaufgabe, indem du sie gamifizierst.“
Du kannst, da Lumo nichts speichert, auch ein Foto aus einer Seite aus dem Schulbuch (Bsp. Sprachstarken 4, SB S. 36 hochladen, damit Lumo den Kontext besser versteht). Die Lehrmittelquellen werden von der KI nicht zum Training der KI benutzt und auch nicht archiviert. Sobald du den Chat verlässt, ist alles permanent gelöscht.

Alternative: Nutze MS-Copilot und prompte die KI entsprechend, um dir analog weiterzuhelfen: Lerngegenstand erwähnen, Klassenstufe erwähnen, um drei Beispiele für maximalen Lebensweltbezug bitten. Folgefragevorschläge der KI wählen und weiterprompten (wichtig: keine Lehrmittelteile in MS-Copilot einspeisen!)

Beispiel eines Vorschlags von Lumo (KI) zur Gamifizierung einer Schreibaufgabe zur Textsorte ‚Sage‘

Checkpoint 8.1: Thematisiere Zielsetzungen

Ausgangslage: Du unterrichtest in einer sprachlich heterogenen Kindergartenklasse und suchst nach Möglichkeiten, für die Kinder sprachfördernde Lernumgebungen bereitzustellen, die zu deinem aktuellen Thema „Badi“ passen. Die Kinder sollen ein Parkbad nachbauen mit einem Kiosk, einem Kassenhäuschen, zwei Schwimmbecken (ein abgegrenzter Bereich aus Karton mit blauen Tüchern, die wellenförmig bewegt werden können), einem Hand- und Armbad (grosse Plastikbox mit Wasserperlen), mit Sonnenschirmen, einem Hochsitz für die Badeaufsicht und verschiedenen Spielen zum Verweilen. Auf allen Ebenen (Herstellungsprozess, Rollenspiele) sollen die Kinder in vielfältige Sprachhandlungen auf Deutsch einbezogen werden. Die Kinder sollen nun in kleinen Gruppen (max. 3 Personen) Ideen zur Gestaltung der Badi-Landschaft entwickeln. Du bist unsicher, wie du dieses komplexe Ziel so kommunizieren kannst, dass es allen Kindern zugänglich wird.

Probier es aus!
Nutze deine KI-Plattform der Wahl (ideal: MS Copilot) und prompte so, dass dir die KI nach dem UDL-Checkpoint 8.1 hilft, den Arbeitsauftrag für alle Kinder der Gruppe zugänglich zu machen und die Lernziele so unterstützend zu kommunizieren, dass allen Kindern klar ist, wie die Planung der Badi ablaufen soll.

Erfahrung:
Du wirst feststellen, dass die KI dir umfangreiche Vorschläge macht: A) Ziel sichtbar machen (Spielfiguren, Fotos von Parkbädern, Material-Set, Lageplan), B) Rollenverknüpfung (Kinder in die Rolle von Badi-Planer·innen versetzen), C) Konkrete Handlungsfragen formulieren und visualisieren (Was gibt es in einer Badi? Was gefällt dir am besten in der Badi? Wo soll etwas stehen?), D) Bildkarten zu den verschiedenen Planungselementen erstellen und auf einem Grundriss des Raumes verteilen lassen, E) Redemittel bereitstellen mit Audios („Ich wünsche mir…“, „Es braucht…“, „Das kommt hierhin…“, „Ich wünsche mir…“, „Hier können Menschen…“ usw.), F) Ein Mini-Modell bauen mit vorgefertigten Symbolelementen, G) Teilaufträge an Kleingruppen erteilen mit einfachen Fragen („Was brauchen Menschen zum Ausruhen in der Badi?“, „Welche Sachen braucht es neben dem Kiosk?“, „Womit soll man Spielen können in der Badi?“, usw.), H) Ideen präsentieren lassen (mit Symbolen und Minimodellen, in einfachen Sätzen anhand von Redemitteln, mit Zeichnungen, mit Bauklötzen usw.).


Checkpoint 8.2: Optimiere das Niveau von Herausforderung und Unterstützung

Ausgangslage: Deine 3H-Klasse lernt die Textsorte ‚Märchen‘ systematisch kennen. Im Kindergarten hatten die SuS bereits viel Kontakt damit in Vorlesegesprächen und Hörspielen (Tonie-Box). Nutze KI, um mindestens drei parallele Arbeitsversionen zum Märchen Rotkäppchen zu erstellen. Denke dabei an mindestens drei Leistungsniveaus in der Klasse. Lasse den Kindern die Wahl, mit welcher Variante sie arbeiten wollen und lasse sie womöglich mehrere ausprobieren. Alle drei Levels bearbeiten dieselbe Kernidee (Handlung und Figuren von „Rotkäppchen“), unterscheiden sich aber in Textmenge, Sprachunterstützung und kognitivem Anspruch. Dadurch arbeiten alle Lernenden am gleichen Thema, aber auf unterschiedlichen Zugangswegen.

Probier es aus!
Nutze Copilot und generiere einen Prompt, der dich ans Ziel führt.

Erfahrung: Nicht immer muss ein Prompt lang sein. Folgender kurzer Code, kann schon sehr gute Resultate liefern:

Klassenstufe: 1. Primar. Erstelle drei parallele Arbeitsmaterialien für „Rotkäppchen“:
├── Level A: Kurze Sätze, viele Bilder, einfache Wörter
├── Level B: Originaltext mit Glossar-Hilfe
└── Level C: Erweiterte Analysefragen mit Vergleichsmöglichkeiten
Ziel: Textverständnis, Textsortenkenntnis, literarisches Lernen.


Checkpoint 8.5: Biete handlungsorientiertes Feedback

Ausgangslage: Deine 7H-Klasse schreibt einen Brief an zwei neue Klassenkameradinnen, die nach den Sommerferien in die Klasse eintreten werden. Die beiden Kinder kommen aus der Ukraine und haben schon Deutsch gelernt. Du möchtest jede·r Schüler·in mindestens dreimal im Schreibprozess formatives Feedback und Feedforward geben, und zwar passgenau zu den eigenen Schreibkompetenzen. Bei 24 SuS in der Klasse kannst du das als LP nicht leisten. Du möchtest speziell berücksichtigen, dass DaZ-Lernende anderes Feedback erhalten als SuS mit Erstsprache Deutsch.

Probier es aus!
Nutze die KI-Plattform FelloFish, die im Kanton Freiburg für den Gebrauch in Schulklassen zugelassen wurde. Erstelle mit deiner E-Mail-Adresse ein Login, du kannst 100 Aufgaben kreieren. Nutze die Vorlage ‚persönlicher Brief‘ und definiere die Aufgabenstellung genau. Bearbeite und ergänze die Feedbackkriterien nach deinen Vorstellungen, die KI wird verstehen, was du erwartest und wird die SuS-Texte entsprechend analysieren und Rückmeldungen geben.
Erstelle eine Aufgabe für DaZ und eine für den Rest der Klasse. Du kannst deine Aufgaben testen und sehen, wie FelloFish zielgerichtetes Feedback und Feedforward gibt.

Erfahrung:
FelloFish ermöglicht es, dass die SuS ihren Text handschriftlich schreiben oder am digitalen Endgerät. Die handschriftlichen Texte können eingescannt werden und FelloFish analyiert sie. Das diversifiziert schon die exekutive Schreibtätigkeit. FelloFish kannst du für verschiedene SuS-Gruppen verschiedene Materialien und Scaffolds bereitstellen, welche die Lernenden im Schreibprozess nutzen können (z. B. Textbausteine für DaZ-Lernende; Schritt-für-Schritt-Anleitungen, d. h. du kannst den Schreibprozess in Mikro-Aktivitäten zerlegen; grafische Darstellungen und Symbole, welche die SuS schon kennen, integrieren, u. v. a. m.). Das Feedback der KI können sich SuS in andere Sprachen übersetzen lassen, es kann in einfache Sprache übertragen werden oder die KI kann es vorlesen.


Checkpoint 9.3: Animiere zur individuellen und kollektiven Reflexion

Ausgangslage: Deine 5H-Klasse hat zwei Wochen lang mit verschiedenen Interventionen Lautleseverfahren im Deutschunterricht trainiert. Tandem-Lesen, Lautleseverfahren, Textverständnis-Quizze und andere Aktivitäten wurden werkstattartig durchgeführt. Die Kinder nutzen ein Laufblatt, auf dem sie grob die Punkte an den einzelnen Stationen festhielten. Du möchtest, dass jedes Kind über seine Lernfortschritte nachdenkt und später auch als Klasse Gespräche geführt werden, wie die Lernlandschaft erlebt wurde, was schwierig war und was motiviert hat. Dazu soll auch ein optisch ansprechendes Lernergebnisbild erstellt werden. Kinder dürfen dieses wahlweise selber zeichnen oder sich von KI coachen lassen und das Bild von der KI generieren lassen.

Probier es aus!
Deine SuS dürfen MS-Copilot nutzen, um sich coachen zu lassen. Versuche einen Prompt zu generieren, welcher die SuS aus deiner heterogenen Klasse schrittweise dazu führt, per Texteingabe oder per Sprachfunktion und Mikrofon ihre Lernergebnisse mitzuteilen und am Ende ein Plakat zu erstellen, dass den Lernweg als Abenteuerpfad sichtbar macht. Copilot wird zu jeder Frage auch vorgefertigte Antwortmöglichkeiten bieten, Kinder müssen somit nicht immer tippen oder sprechen, sondern können auch eine Antwort auswählen. Dieses Plakat soll dann in Peer-Gesprächen verglichen werden und auch im Plenum diskutiert werden: Was sind deine Zwischenstationen? Wo hast du dich verbessert? Wer ist weiter als ich und kann mir Tipps geben? Worin habe ich die stärksten Fortschritte gemacht?

Erfahrung:
Vielleicht hast du den Prompt selber zu generieren versucht. KI kann das auch für dich übernehmen, wenn du ihr deutlich mitteilst, was das Ziel ist. Hier ist ein Prompt, den du den SuS für diese Reflexionsaktivität zur Verfügung stellen könntest. Jedes Kind kopiert ihn dann in seinen Copilot-Chat (oder Fobizz-KI-Chat) und die Plakate können dann von dir als LP ausgedruckt werden:

Prompt-Code-Beispiel (klicken zum Aufklappen)

Du bist mein Lerncoach.

Hilf mir dabei, meine Lernfortschritte der letzten Wochen sichtbar zu machen.

Arbeite in diesen Schritten:

1. Stelle mir immer nur eine kurze Frage auf einmal.

2. Sei freundlich und motivierend.

3. Sammle meine Antworten zu:

  – Ob ich ein Mädchen oder ein Junge bin und welchen Spitznamen ich mir gebe

   – Thema meines Lernens

   – Was ich am Anfang konnte

   – Welche Übungen ich gemacht habe

   – Messbare Ergebnisse (Punkte, Fehler, Zeiten, Wörter pro Minute usw.)

   – Was besser geworden ist

   – Worauf ich stolz bin

   – Mein nächstes Lernziel

4. Wenn Informationen fehlen, frage gezielt nach.

5. Wenn du genügend Informationen gesammelt hast:

   – fasse meine Fortschritte übersichtlich zusammen,

   – beschreibe meinen Lernweg als Abenteuerpfad durch eine bunte Landschaft,

   – leite aus meinen Daten 3 bis 5 wichtige Zwischenstationen ab.

6. Erstelle anschliessend einen detaillierten Bildprompt für ein comicartiges Landschaftsbild:

   – Startpunkt

   – Lernweg mit Kurven

   – Zwischenstationen mit meinen Fortschritten

   – Schilder mit meinen Ergebnissen

   – positive Symbole

   – Ziel mit Pokal oder Schatz

   – freundlicher Comic-Stil

   – farbenfroh

   – übersichtlich

   – deutsch beschriftet

7. Generiere nach dem Bildprompt direkt das Bild.

Beginne jetzt mit deiner ersten Frage.

Beispiel (anonymisiert) einer Lernprozess-Visualisierung mit obenstehendem Beispielprompt

Checkpoint 1.1 Unterstütze Möglichkeiten zur individuellen Anpassung der Darstellung von Informationen &
Checkpoint 2.5 Setze verschiedene Medien zur Veranschaulichung ein

Ausgangslage: Du möchtest Inhalte erstellen, welche die Diversität deiner SuS auch wirklich widerspiegeln und die einzelnen Lernenden abholen. Der Lerngegenstand ist z. B. die Einführung der direkten Rede in der deutschen Grammatik. Du unterrichtest eine 7H und arbeitest mit dem Lehrmittel die Sprachstarken 5.

Link: https://notebooklm.google.com

Probier es aus! Starte in Google Notebook LM ein neues Projekt. Gibt im Quellen-Recherche-Promptfenster ein, dass die KI nach den Grammatikregeln der direkten Rede für Primarschülerinnen der 5. Klasse in der Schweiz (LP 21) recherchieren soll. Importiere diese Quellen mit einem Klick auf die entsprechende Schaltfläche.
Anschliessend generierst du anhand der Quellenbasis, die Notebook LM recherchiert hat, im rechten Fenster der Plattform: a) ein Erklärvideo, b) eine Mindmap, c) Lern-Karteikarten, d) eine Infografik und e) einen Audio-Kurzpodcast und d) ein Quiz.
In jedem Bereich solltest du beim Prompt noch einmal spezifizieren, dass der zu generierende Inhalt von SuS einer 5. Primarschulklasse der Schweiz genutzt und verstanden werden soll. Du kannst weitere differenzierende Hinweise einbauen: z. B. für Kinder mit DaZ, für Lernende mit visueller Beeinträchtigung, für Lernende mit ADHS, usw.

Untenstehend einige Beispiele (Video, Lernplakat, Podcast und Lernkarten).

Das Lernplakat greift die beliebte Anime-Serie ‚Naruto‘ auf und erklärt die wichtigsten Regeln. Erstellt im Notebook LM Studio.
Podcast Regeln der Direkten Rede für 5.-Klässler erklärt. Erstellt mit Notebook LM Studio.

Checkpoint 3.2 Thematisiere Muster, Schlüsselinformationen, Leitideen und Beziehungen

Ausgangslage: Deine Klasse erarbeitet die Textsorte Spielanleitung in der 8H und du arbeitest mit Sprachstarken 6. Du möchtest, dass die Kinder anhand von Leitfragen von einer KI auf die zentralen Textsortenmuster und -merkmale von Spielanleitungen aufmerksam gemacht werden. Jedes Kind soll dabei seinen eigenen Lernpfad gehen können, d. h. die KI soll anhand der Antworten der Kinder (abhängig vom Vorwissen) Folgefragen formulieren, die schliesslich zum Ziel führen. Die Kinder dürfen wahlweise am Tablet oder am Laptop tippen, die Diktierfunktion nutzen oder einzelne Chatbeiträge auch in eine andere Sprache übersetzen lassen.


Probier es aus! Generiere einen Prompt in Copilot, den du mit deinen SuS teilen kannst, damit sie schliesslich von der KI individuell dazu geführt werden, die Textsortenmuster und Merkmale einer Spielanleitung selber zu entdecken. Du kannst auch Copilot selbst bitten, dir einen solchen Prompt zu erstellen. Diesen kannst du den Lernenden dann zur Verfügung stellen, so dass sie sich während einer Sequenz von der KI coachen und begleiten lassen können. Eine Ergebnissicherung, erst individuell, dann zu zweit (vergleichen) und im Plenum kann die Aktivität abrunden.

Beispielprompt zum Teilen mit der Klasse (klicken zum Aufklappen)

Du bist ein geduldiger Lerncoach für Schülerinnen und Schüler der 6. Klasse.

Dein einziges Lernziel ist es, dem Schüler dabei zu helfen, die Textsortenmerkmale und Textsortenmuster einer Spielanleitung selbstständig zu entdecken, zu verstehen und anzuwenden.

Du unterrichtest keine anderen Textsorten und verfolgst keine anderen Lernziele.

## Pädagogischer Grundsatz

Der Schüler soll die Merkmale einer Spielanleitung möglichst selbst erkennen.

Gib Lösungen nicht sofort vor. Nutze stattdessen Fragen, Hinweise, Vergleiche und Beispiele, die den Schüler zur Erkenntnis führen.

Verwende sokratische Gesprächsführung:

– beobachten

– vermuten

– begründen

– erkennen

– zusammenfassen

## Anpassung an den Schüler

Passe Sprache, Wortschatz und Informationsdichte laufend an die Antworten des Schülers an.

Wenn der Schüler:

– kurz antwortet → stelle einfache Fragen und arbeite in kleinen Schritten.

– unsicher wirkt → gib Hilfen und Beispiele.

– sicher antwortet → stelle anspruchsvollere Fragen.

– Fehler macht → würdige den Denkansatz und leite zur Selbstkorrektur an.

Verwende:

– kurze Sätze

– altersgerechte Sprache

– nur wenige neue Informationen gleichzeitig

Vermeide:

– lange Erklärungen

– mehrere Aufgaben gleichzeitig

– unnötige Fachbegriffe

## Ablauf des Lernprozesses

Führe den Schüler schrittweise zur Entdeckung folgender Merkmale einer Spielanleitung:

1. Funktion der Spielanleitung

   – Wozu dient sie?

   – Was sollen die Lesenden nach dem Lesen können?

2. Zielgruppe

   – Für wen ist sie geschrieben?

3. Aufbau

   – Spieltitel

   – Material

   – Spielziel

   – Vorbereitung

   – Spielablauf

   – Spielende / Gewinner

4. Sprache

   – Aufforderungen

   – Anweisungen

   – Handlungsverben

   – sachliche Sprache

   – klare Formulierungen

5. Textgestaltung

   – Überschriften

   – Aufzählungen

   – Nummerierungen

   – Reihenfolge der Schritte

6. Textsortenmuster

   – Was kommt typischerweise zuerst?

   – Was folgt danach?

   – Welche Bestandteile treten fast immer auf?

## Didaktische Regeln

– Stelle immer nur eine Hauptfrage gleichzeitig.

– Warte auf die Antwort des Schülers.

– Baue die nächste Frage auf der vorherigen Antwort auf.

– Wiederhole wichtige Erkenntnisse in einfacher Sprache.

– Fasse Zwischenergebnisse regelmässig zusammen.

## Umgang mit Fehlern

Verwende niemals:

– „Das ist falsch.“

– „Nein.“

Verwende stattdessen:

– „Interessanter Gedanke.“

– „Schauen wir nochmals auf den Text.“

– „Welcher Hinweis könnte uns helfen?“

– „Passt das zu einer Spielanleitung?“

## Beispiele

Nutze kurze Ausschnitte aus Spielanleitungen, um Beobachtungen zu ermöglichen.

Verwende:

– Brettspiele

– Kartenspiele

– Würfelspiele

– einfache Pausenspiele

Die Beispiele sollen kurz genug sein, damit Sechstklässler sie problemlos lesen können.

## Visualisierung

Nutze einfache Skizzen, Grafiken und Übersichten.

Beispiel:

🎲 Spielanleitung

↓ Ziel

↓ Material

↓ Vorbereitung

↓ Spielablauf

↓ Spielende

Die Visualisierungen sollen das Verständnis unterstützen und nicht überladen.

## Lernzielkontrolle

Lass den Schüler regelmässig:

– Merkmale benennen

– Beispiele zuordnen

– eigene Beobachtungen formulieren

– kleine Ausschnitte analysieren

## Abschluss

Erst wenn der Schüler die wichtigsten Merkmale selbst erkannt hat, fasse gemeinsam mit ihm die Textsortenmerkmale und das Textsortenmuster einer Spielanleitung in einer übersichtlichen Merkliste zusammen.

Arbeite immer dialogisch und schülerzentriert. Jede Antwort endet mit genau einer passenden Anschlussfrage.



Checkpoint 4.2 Optimiere den Zugang zu barrierefreien Materialien und assistiven Technologien

Ausgangslage: An deinem Unterricht nehmen Kinder mit Lese-Rechtschreibschwäche teil, einzelne SuS haben motorische Probleme und nehmen Ergotherapie in Anspruch und andere Kinder tun sich schwer mit dem Tastaturschreiben (weil die Laptop-Tastaturen nicht für Kinderhände ausgerichtet sind). Du möchtest narrative Kompetenzen (Erzählerwerb) trainieren und die Klasse soll auf vielfältige Weise das Geschichtenerfinden und Erzählen üben.


Probier es aus!
Tools wie Microsoft Dictate (integriert in Office 365) wandeln gesprochene Sprache in Text um. Schüler können ihre Geschichten diktieren statt sie aufzuschreiben. Anstatt einer Audiaufnahme entsteht so trotzdem schriftlicher Text, der dann kollaborativ mit den Texten der schreibenden Kindern weiter bearbeitet werden kann.

Die Barrieren können noch weiter abgebaut werden: Schüler·innen diktieren eine Inhaltsangabe zu einer Kurzgeschichte. Die KI transkribiert (MS Copilot). Die Lernenden lesen den Text durch und können ihn an beliebigen Stellen verändern. Die Barriere „Ich kann nicht gut schreiben“ wird abgebaut — der gedankliche Prozess steht im Vordergrund. Stehen Checklisten und Scaffolds (mit Symboldarstellungen) zur Verfügung (z. B. Merkmale einer spannenden Geschichte, Tipps), dann kann die Aufgabe bewältigt werden, ohne die ganze mentale Energie für die Überwindung von Barrieren aufzuwenden und keine mehr übrig zu haben für den Aufbau der Zielkompetenzen (Erzählerwerb).


Checkpoint 5.2 Verwende verschiedene Werkzeuge für Kreativität und das Erstellen, Gestalten und Verarbeiten von Informationen und Objekten

Ausgangslage: Du arbeitest an Hörkompetenzen und möchtest das Angebot von Scaffolds diversifizieren, damit unterschiedliche Lernende während der Erarbeitung der Hörkompetenzen auf eine Breite von Unterstützungsstrategien zugreifen können. Damit willst du Barrieren abbauen, welche die Lernenden frustrieren und dazu führen, gar nicht erst in die Übungsphase einzusteigen. Du arbeitest mit einem Kinder-Podcast zu einem NMG-Thema, das ihr gerade erarbeitet. Die Lernenden sollen daran Hörkompetenzen trainieren und Hörstrategien anwenden.

Link: youtube Insekten Kinder-Podcast

Probier es aus!
Auf vielen YouTube-Kanälen kann man neu nicht nur Untertitel zu Videos anzeigen lassen, sondern auch Transkripte der Videoinhalte erstellen. Klicke dazu im grauen Kasten unter dem Video auf „mehr“. Erscheint dann eine Schaltfläche „Transkript anzeigen“, so ist eines verfügbar. Alternativ kannst du mit KI wie z. B. otter.ai in der Gratisversion von beliebigen Downloads Audiotranskripte erstellen lassen. Diese Transkripte kannst du in MS-OneNote importieren und im Plastischen Reader (Menüpunkt ‚Anzeige‘) können Lernende vor dem Hören und Anschauen des Videos im Transkript auf Begriffe klicken und sie sich im visuellen Lexikon anzeigen oder in eine andere Sprache übersetzen lassen. Eine Audiostimme kann den Text auch in verschiedenen Sprachen vorlesen.

Du kannst MS-Copilot nutzen, um Hörerwartungen als Strategie zu trainieren. Du speist das Transkript der Hördatei oder eines Videos in die KI und forderst sie auf, Lückentext-Fragen zu generieren. Die SuS, die sich für diese Aktivität entschieden, hören immer nur einen Teil der Audiodatei/des Videos und die KI stellt dann Fragen, wie der Text weitergehen könnte. Die KI gibt dabei vor, wann die Aufnahme (z. B. auf dem iPad) gestoppt werden soll und weiter gechattet werden soll. Bei YouTube-Transkripten ist das besonders günstig, weil dort Zeitmarken notiert sind, welche von der KI genutzt werden können (Bsp. Stoppe das Video bei 1min20 und sage mir, wie der Text weitergehen könnte). Diese Methode nennt sich predictive listening.

Digitale Werkzeuge wie Audacity (auf vielen Schul-Laptops installiert) und digitale Plattformen wie YouTube ermöglichen es, bei Video- und Audiodateien die Abspielgeschwindigkeit anzupassen. Das differenziert das Anspruchsniveau der Höraufgabe in beide Richtungen (schwieriger oder leichter) und kann die Informationsverarbeitung anspruchsvoller oder leichter gestalten.


Checkpoint 5.4 Achte darauf, dass die gewählten Kommunikations- und Ausdrucksformen alle Personen ansprechen

Ausgangslage: Für manche Kinder in deiner Klasse sind Sprechängstlichkeit, soziale Unsicherheit und fehlende Sprachpraxis im Deutschen ein Problem. Es verhindert, dass die Kinder schneller Fortschritte im mündlichen Ausdruck machen, weil ein angstfreies Üben kaum möglich scheint und fehlender Wortschatz oder Redemittel zusätzlich frustrieren.

Probier es aus!

KI-Chatbots (z. B. mit MS Copilot als Agent konfiguriert) übernehmen Rollen als Literaturfiguren (Kästners Emil, Kordon). Schüler interagieren mündlich (Mikrofon-Symbol) mit der Figur und trainieren Sprechen, Literaturgespräche und Empathie. Die Antworten der KI können mit der ausgewählt werden und mit der rechten Maustaste über das Kontextmenü „Sprachausgabe stoppen“ (Google Chrome-Browser) vorgelesen werden.

Beispielprompt: „Du spielst die Rolle des Emils aus ‚Emil und die Detektive‘. Antworte in einfacher deutscher Sprache (Niveau A2-B1) auf Fragen von Schülerinnen und Schülern. Beziehe dich stets auf Ereignisse aus dem Buch. Verwende keine komplexen Nebensätze.“


Checkpoint 6.1 Unterstütze das Setzen bedeutender Ziele

Ausgangslage: In deiner heterogenen Klasse stehen die Kinder im Deutschunterricht ständig an unterschiedlichen Punkten und bräuchten angepasste Wege hin zur Arbeit an den identischen Kompetenzzielen. Du kannst KI nutzen, um Lernziele vielfältiger zu gestalten, ohne die Anspruchsniveaus für schwächere Lernende einfach zu reduzieren.

Probier es aus!
Erstelle dir eine Tabelle, in der du die Lernenden deiner Klasse anonymisierst (Bsp. S1, S2, S3 usw.). In dieser Tabelle hältst du spezielle Interessengebiete für jedes Kind fest und beschreibst aktuelle Lernstände und Schwierigkeiten:

KindInteressenStärkenDefiziteLesenHörenSprechenSchreibenLiteraturRS & G
S1Fussball und Sportsehr sozial und kommunikativDaZ-Lerner, ADHS, motorische Defizite
ermüdet bei längeren Lesetexten, geringer Sichtwortschatz, rekodierendes Lesengeringe Aufmerksamkeit, fehlendes Hörverständnis aufgrund v. Wortschatz, mangelnde Selbststeuerunghohe Sprechmotivation, viele spontane Äusserungen, fehlende Struktur, Probleme beim Zuhören im Dialoghat gute Schreibideen, grafomotorische Probleme, fehlender Wortschatz, ermüdet schnell, keine Geduld bei Schreibplanungausgebaute Vorerfahrung mit Erzähltexten, mag Audiobücher für Kinder, mag Fussballgeschichtenlautgetreues Schreiben, beherrscht alle Buchstaben, noch kaum orthografisch korrekte Schreibungen, Syntax noch stark unvollständig.
S2Experimentieren, Lesen, bastelt gernehohe Aufmerksamkeit, stellt gute Fragen, hoher Gerechtigkeitssinn, gute Selbstorganisationisoliert sich oft, arbeitet lieber alleine, sensibel auf Kritikbereits gute Lesekompetenz, dekodierendes Lesen, Lautlesen noch mit einigen wenigen Fehlerngute Hörkompetenz, kann auch längeren Texten zuhören und Vorwissen aktivierenmeldet sich nur wenig, hört in Dialogen lieber zu, spricht ungerne vor der Klasse, mündlich aber gute Grammatik, noch dialektal gefärbtplant lange vor dem Schreiben, perfektionistisch, oft zu viele Ideen, schreibt langsam, verliert sich im Schreibprozess, gute Schreibergebnissebreites literarisches Interesse, v. a. auch für Sachbücher, viel Vorleseerfahrung von zu Hause, kann gut über Literatur nachdenkenalle altersgemässen Lernziele erreicht, erste orthografisch korrekte Verschriftlichungen
usw.

Beim Formulieren von Lernzielen im Deutschunterricht kannst du nun MS Copilot nutzen und der KI die jeweils aktualisierte Tabelle zur Verfügung stellen. Prompte dann so, dass dir die KI für jedes Kind das Lernziel und den Lernweg konkretisiert und in Teilziele runterbricht, so dass hinsichtlich des Klassen-Lernzieles individualisierte Teilziele entstehen. D. h.: Alle Kinder arbeiten an derselben Kompetenz, haben aber auf dem Weg zur Zielkompetenz unterschiedlich abgestufte Teilschritte (Teilziele), denen sie folgen können.

Erfahrung:
Ein Beispielprompt könnte lauten:
„Erstelle für eine 2. Klasse (Primarschule Schweiz, Lehrplan 21) Fach Deutsch individualisierte Lernziele zum Kompetenzbereich ‚Schreiben‘. Alle Kinder sollen am Ende dasselbe Lernziel erreichen, aber mit unterschiedlichen, an ihre Fähigkeiten angepassten Teilzielen. Du findest die Details zu den Lernenden in der angehängten Tabelle. Formuliere jedes Ziel als SMART-Ziel aus Schülersicht in 1. Person. Beende mit einer einfachen Selbstkontroll-Möglichkeit. Das zu erreichende Schreibziel soll lauten: Schreibe auf, wie dein nächster Geburtstag ablaufen sollte.“

Die Ergebnisse kannst du als Lehrperson auf einem Übersichts-Laufblatt für alle SuS zu deiner Kontrolle von der KI zusammenfassen lassen. Die KI kann dir für jeden Lernenden eine Word-Datei erstellen, die immer gleich strukturiert ist und von dir nur noch ausgedruckt werden muss.

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